Dementierte, direkte Gespräche mit Lewis Hamilton über einen Red-Bull-Wechsel geführt zu haben: Rennstallchef Christian Horner. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Bradley Collyer/PA Wire/dpa/Archiv)

Christian Horner wusste nach dem Aufruhr um Red Bull und Rekordweltmeister Lewis Hamilton, dass diese Frage kommen würde.

Der Teamchef selbst hatte die Spekulationen befeuert mit seinen Aussagen über eine Kontaktaufnahme des Hamilton-Umfelds vor dessen neuer Vertragsunterzeichnung beim deutschen Formel-1-Rennstall Mercedes. «Es ist bemerkenswert, welchen Anklang das gefunden hat», sagte der 50 Jahre alte Brite im Fahrerlager des Großen Preises von Abu Dhabi.

Ein süffisantes Grinsen konnte sich Horner nicht verkneifen und dankte dem britischen Boulevardblatt, das sich der – wenn denn alles so wäre – durchaus pikanten Angelegenheit angenommen hatte. Problem nur: Es sollen nur Höflichkeiten zwischen ihm und Hamiltons Vater gewesen sein, nichts Ernsthaftes. «Außer Anthony wollte für uns fahren.»

Bei Red Bull gebe es aber eh keinen freien Platz. 2024, wenn Hamilton mit Mercedes die einstige Rangordnung nur zu gern wieder herstellen und seinen achten WM-Titel holen würde, soll auch wieder Sergio Pérez an der Seite des dreimaligen Weltmeisters Max Verstappen im zweiten Red Bull fahren.

Hamilton wollte Chancen ausloten

So weit, so gut? Nicht ganz. In der «Daily Mail» hatte Horner zuvor gesagt, dass es im Laufe der Jahre mehrere Gespräche gegeben habe über einen möglichen Wechsel von Hamilton. «Sie haben ein paar Mal angefragt. Zuletzt gab es eine Anfrage, ob Interesse bestehen würde, Anfang des Jahres», war er zitiert worden.

Auch über angebliche Hamilton-Gespräche mit Ferrari hatte Horner berichtet. Der Eindruck entstand, dass Hamilton vor einer Weiterverpflichtung bei Werksteam Mercedes, für das er seit 2013 fährt, die Chancen bei der Konkurrenz hätte ausloten wollen. Und das nachdem auch er immer die starke Verbundenheit zu Mercedes betont hatte.

Kaum Abkühlung in der Winterpause

Es war absehbar, was das alles auslösen würde, zumal das sportliche Geschehen in den entscheidenden Fragen längst geklärt ist. Das Verhältnis zwischen dem aktuellen Branchenführer Red Bull und dem abgehängten ehemaligen Branchenführer Mercedes, der beim letzten der 22 Saisonrennen in diesem Jahr um den zweiten Platz hinter Red Bull in der Konstrukteurswertung kämpft, ist nicht gerade von größter gegenseitiger Zuneigung geprägt. 

Horner und sein Pendant, der 51 Jahre alte Toto Wolff, sind die mit Abstand erfolgreichsten Teamchefs im aktuellen Fahrerlager, beide sind Macher, beide gehen Konflikten nicht aus dem Weg. Das dauerhaft hitzige Verhältnis dürfte in der Winterpause kaum abkühlen. 

Dafür sorgte Horner. «Ich kenne Anthony Hamilton seit vielen Jahren», betonte er. «Er ist ein guter Kerl, ein stolzer Fahrervater und es ist unvermeidbar, dass Fragen aufkommen im Paddock, wenn ein Fahrer schwere Zeiten durchmacht.» Man müsse auch «kein Raketenwissenschaftler sein», um darauf zu kommen.

Salz in die Wunden von Mercedes

Lewis Hamilton habe schließlich seit zwei Jahren kein Rennen mehr gewonnen, erwähnte Horner dabei noch mal auf dem Yas Marina Circuit. Dort, wo Hamilton 2021 beim Finale in der letzten Runde der Sieg und damit der Titel von Verstappen in einem denkwürdigen Showdown nach umstrittenen Rennleiter-Entscheidungen noch entrissen worden war. 

Auf die Aussagen Horners in der britischen Zeitung, die von «Intrigen überall» berichtete, hatte Hamilton selbst eher gelassen reagiert und die Kontaktaufnahme durch ihn oder sein persönliches Team dementiert. Stattdessen – so wiederum Hamiltons Schilderung – habe Horner ihm eine Nachricht geschrieben, dass man sich am Ende der Saison ja mal zusammensetzen und reden könne. Worum es dabei hätte gehen soll, blieb unklar. 

«Es gibt eine Menge Leute, die in Gesprächen gern mal meinen Namen fallen lassen, weil sie wissen, dass es Wellen schlägt», sagte Hamilton in Abu Dhabi: «Wenn du ein bisschen einsam bist und nicht viel Aufmerksamkeit bekommt, ist es perfekt, meinen Namen zu nennen.» Und dabei grinste auch er süffisant.

Von Jens Marx, dpa