Holte sich beim Großen Preis von Brasilien den Sieg: Max Verstappen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andre Penner/AP/dpa)

Max Verstappen hat beim Formel-1-Karneval von São Paulo seinen beeindruckenden Siegrekord in dieser Saison ausgebaut. Der 26 Jahre alte Niederländer behauptete sich wie bei seinem bis dato einzigen Brasilien-Sieg 2019 von der Pole Position aus und zeigte in einem nur anfangs dramatischen Rennen einmal mehr eine weltmeisterlich-souveräne Leistung.

Zweiter hinter Verstappen wurde Lando Norris im McLaren – genau in dieser Reihenfolge waren die beiden gut miteinander befreundeten Rivalen auch rund 24 Stunden vorher beim Sprint ins Ziel gekommen. Dritter wurde Fernando Alonso im Aston Martin in einem packenden finalen Zweikampf mit Sergio Pérez im zweiten Red Bull. 

Der Mexikaner polierte damit nicht nur sein zuletzt häufig lädiertes Selbstvertrauen vor allem nach dem ganz frühen Ausfall durch einen Unfall beim Heimrennen vor einer Woche auf. Im zweiten Red Bull vergrößerte er den Vorsprung im WM-Klassement auf den schwächelnden Rekordweltmeister Lewis Hamilton (8.) im Mercedes auf 32 Punkte. Nico Hülkenberg belegte im Haas den zwölften Platz in einem Rennen, das zumindest zu Beginn dem Ruf eines Spektakel-Kurses gerecht wurde. 

Leclerc scheidet in Aufwärmrunde aus

Samba-Rhythmen und Karnevalsstimmung herrschte in der Startaufstellung. Aber noch bevor es richtig losging, war es für Charles Leclerc wieder vorbei. Startplatz zwei hatte er sich in der Wetter-Chaos-Qualifikation am Freitag hinter Verstappen gesichert, in der Aufwärmrunde rutschte der Monegasse mit seinem Ferrari aber von der Piste und krachte in die Streckenbegrenzung. «Warum habe ich immer so ein Pech?», funkte er verzweifelt an die Box. Ein Defekt am Ferrari war schuld. Das Lenkrad habe nicht mehr reagiert, es habe auch Probleme mit dem Motor gegeben, sagte Leclerc, dessen Platz in der ersten Reihe blieb frei, als die Roten Ampeln ausgingen. 

Das bot Raum für Attacken. Verstappen kam problemlos weg, weiter dahinter wurde es eng, zu eng. Ein Reifen flog durch die Luft, für Kevin Magnussen im Haas und Alexander Albon im Williams kam nach ihrem Unfall das schnelle Aus in Kurve eins. Und zu viel Autoteile auf der Strecke sorgten für Rote Flaggen, sprich eine Unterbrechung.

Verstappen verteidigt beim Re-Start Platz eins

Nach knapp 20 Minuten ging alles wieder von vorn los. Nur, dass nun Kumpel Norris neben dem Niederländer beim Re-Start stand. Und auch blieb. Verstappen verteidigte seinen ersten Platz. Norris, der Sechster in der Qualifikation geworden war, versuchte es danach noch einmal: Der Konter von Verstappen war allerdings deutlich. Er fuhr binnen weniger Kilometer einen Vorsprung heraus, den er noch weiter ausbaute. 

Die Hoffnungen beim deutschen Werksteam Mercedes, wie vor einem Jahr wenigstens ein Rennen der Saison zu gewinnen und das in Brasilien, schwanden schon nach massiven Reifenproblemen im Sprint. Im Hauptrennen über 71 Runden reagierte dann auch noch Vorjahressieger George Russell wenig verständnisvoll auf die Teamstrategie – er hing hinter Rekordweltmeister Hamilton fest, der als Ehrenbürger des größten südamerikanischen Landes mit riesiger Brasilien-Flagge auf der Fahrerparade-Runde mehr Grund zur Freude als im Rennen hatte.

Nächster Rückschlag für die Silberpfeile

Russell, der mehrfach über Funk geschimpft hatte, bekam rund zwölf Runden vor Schluss die Ansage, den Wagen vorzeitig zurück in die Garage zu steuern. Hamilton dümpelte als Achter ins Ziel. Wieder ein Rückschlag für die Silberpfeile, die in der Konstrukteurswertung hinter dem alten und neuen Champion Red Bull um den Vizerang und viel Geld gegen Ferrari kämpfen.

Während Alonso seinen Podiumsplatz zunächst mit all seiner Routine gegen Pérez verteidigte und nach dessen finaler Attacke Rang drei spektakulär zurückeroberte, machte Verstappen ganz vorn das, was er in mittlerweile 17 von 20 Rennen in diesem Jahr machte. Auch nach dem neuerlichen Reifenwechsel hatte sich an der Rangfolge auf den ersten beiden Plätzen nichts geändert. Verstappen fuhr mit deutlichem Vorsprung als Erster durchs Ziel.

Von Jens Marx, dpa